Bleimennige ist ein Begriff, der bei der Restaurierung von Altbauten oft Furcht, zumindest aber Respekt einflößt. Über viele Jahrzehnte hinweg war dieses bleihaltige Pigment das Mittel der Wahl für den Korrosionsschutz. Wer heute ein altes Gebäude saniert, stößt fast zwangsläufig auf Bleimennige bei historischen Fenstern. Doch was früher als Qualitätsmerkmal galt, ist heute als gefährlicher Schadstoff klassifiziert.
Was ist Bleimennige und warum wurde sie verwendet?
Chemisch betrachtet handelt es sich bei Bleimennige um Blei(II,IV)-oxid ($Pb_3O_4$). Es zeichnet sich durch seine leuchtend orangerote Farbe aus. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein wurde es fast universell als Rostschutzanstrich für Eisen und Stahl sowie als Grundierung für Holzfenster verwendet.
Die Bleimennige bei historischen Fenstern hatte durchaus technische Vorteile:
- Hervorragender Rostschutz: Sie bildet mit Eisenoberflächen eine chemisch stabile Verbindung.
- Pilzhemmende Wirkung: Auf Holz aufgetragen, schützte das giftige Blei vor Fäulnis und Holzwurm.
- Elastizität: Die Farbe machte die Bewegungen des Holzes bei Temperaturschwankungen gut mit.
Gesundheitsrisiken beim Umgang mit Altbeschichtungen
Das Problem mit Bleimennige bei historischen Fenstern entsteht primär dann, wenn diese Schichten bearbeitet werden. Im ruhenden Zustand unter neuen Lackschichten ist die Gefahr gering. Sobald jedoch geschliffen, gekratzt oder abgebeizt wird, werden bleihaltige Stäube und Dämpfe freigesetzt.
Blei ist ein kumulatives Schwermetallgift. Es lagert sich in Knochen, Zähnen und Gehirn ab. Besonders gefährlich ist die Aufnahme über:
- Einatmen: Schleifstaub ist extrem fein und gelangt tief in die Lunge.
- Verschlucken: Durch verunreinigte Hände oder Nahrung am Arbeitsplatz.
Eine chronische Bleivergiftung kann zu Nervenschäden, Blutarmut und Nierenschäden führen. Daher ist der ungeschützte Umgang mit Bleimennige bei historischen Fenstern absolut fahrlässig.
Wie erkenne ich Bleimennige?
Nicht jeder rote Anstrich ist automatisch giftig, aber bei Gebäuden, die vor 1980 errichtet wurden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch.
- Optik: Kratzt man vorsichtig an einer tieferen Lackschicht, kommt oft ein leuchtendes Orange oder Rotorange zum Vorschein.
- Schichtaufbau: Bleimennige bei historischen Fenstern befindet sich meist direkt auf dem Holz oder Metall als unterste Grundierungsschicht.
- Test-Kits: Im Fachhandel gibt es Schnelltests, die durch eine chemische Reaktion Blei an der Oberfläche nachweisen können.
Richtige Vorgehensweise bei der Sanierung
Die Sanierung von Bleimennige bei historischen Fenstern unterliegt strengen Arbeitsschutzvorschriften (in Deutschland z.B. TRGS 505). Heimwerker sollten hier äußerst vorsichtig sein, besser aber eine Fachfirma beauftragen.
Wichtige Schutzmaßnahmen
Sollten Sie dennoch Arbeiten an solchen Fenstern durchführen oder überwachen müssen, sind folgende Punkte essenziell:
- Vermeidung von Staub: Trockenschleifen ist tabu! Es sollte nass geschliffen oder mit Ziehklingen gearbeitet werden. Alternativ kommen chemische Abbeizer zum Einsatz (Achtung: Sondermüll!).
- Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Eine FFP3-Maske ist Pflicht. Einfache OP-Masken bieten keinen Schutz vor Schwermetallstäuben. Einwegschutzanzüge verhindern, dass Bleistaub in die Wohnung getragen wird.
- Absaugung: Bei maschinellem Einsatz müssen Sauger der Staubklasse H (für krebserzeugende Stoffe) verwendet werden.
- Hygiene: Essen, Trinken und Rauchen sind im Arbeitsbereich streng verboten. Gründliches Händewaschen vor Pausen ist obligatorisch.
Entsorgung
Abgetragene Farbreste, Schleifstaub und benutzte Abbeizmittel, die von Bleimennige bei historischen Fenstern stammen, dürfen nicht in den Hausmüll. Sie müssen als gefährlicher Abfall (Sondermüll) entsorgt werden.
Die Erhaltung historischer Bausubstanz ist wichtig, darf aber nie auf Kosten der Gesundheit gehen. Mit dem richtigen Wissen und Respekt vor dem Material lässt sich auch das Problem der Bleimennige sicher lösen.