Der Vivarienbau aus Glas gilt als die Königsklasse in der Aquaristik und Terraristik. Glas ist nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern bietet im Gegensatz zu Holz oder Kunststoff entscheidende hygienische Vorteile. Es nimmt keine Gerüche an, ist leicht zu reinigen und ermöglicht eine unverzerre Sicht auf die gepflegten Tiere und Pflanzen. In diesem Artikel beleuchten wir die wichtigsten Aspekte der Planung und Konstruktion.
Die Wahl des richtigen Glases
Beim Vivarienbau aus Glas ist das Material entscheidend. Nicht jedes Glas eignet sich für jedes Projekt.
- Floatglas: Das Standardglas für die meisten Terrarien und Aquarien. Es hat einen leichten Grünstich an den Kanten, ist aber robust und kostengünstig.
- Weißglas (Optiwhite): Für Aquascaper und anspruchsvolle Terrarianer. Es hat einen reduzierten Eisenoxidanteil, wodurch der Grünstich entfällt. Die Farbwiedergabe der Tiere ist hier am natürlichsten.
- VSG (Verbundsicherheitsglas): Bei sehr großen Becken oder Bodenplatten, die enorme Lasten (Steine, Wasser) tragen müssen, ist VSG oft die sicherere Wahl, da es bei Bruch nicht sofort komplett versagt.
Glasstärke berechnen
Ein kritischer Punkt beim Vivarienbau aus Glas ist die Dicke der Scheiben. Diese hängt primär von der Wasserstandshöhe (bei Paludarien und Aquarien) und der Länge der Scheibe ab.
| Beckenlänge | Wasserhöhe | Empfohlene Glasstärke |
|---|---|---|
| bis 60 cm | bis 30 cm | 4-5 mm |
| bis 100 cm | bis 40 cm | 6-8 mm |
| bis 150 cm | bis 50 cm | 10-12 mm |
Hinweis: Bei reinen Trockenterrarien kann die Glasstärke oft um 1-2 mm reduziert werden, da der Wasserdruck entfällt. Dennoch sollte man beim Vivarienbau aus Glas lieber auf Nummer sicher gehen.
Konstruktion und Verklebung
Die Verbindung der Glasscheiben erfolgt fast ausschließlich mit speziellem Aquarien- oder Terrariensilikon.
Stoßverklebung vs. Wulstverklebung
Die Stoßverklebung ist die gängigste Methode für ästhetisch anspruchsvolle Becken. Hierbei wird das Silikon hauchdünn zwischen die Glaskanten gebracht. Die Wulstverklebung bietet durch eine zusätzliche Sicherheitsnaht im Innenwinkel mehr Stabilität, sieht aber weniger elegant aus.
Wichtig ist beim Vivarienbau aus Glas, dass die Kanten "geschliffen und poliert" sind (Kante poliert – KPO). Dies verhindert Schnittverletzungen und erhöht die Stabilität des Glases, da Mikrorisse an rohen Schnittkanten unter Spannung zum Bruch führen können.
Belüftung und Bohrungen
Ein professioneller Vivarienbau aus Glas benötigt ein durchdachtes Lüftungskonzept, um Staunässe und Schimmelbildung zu vermeiden – besonders in Feuchtterrarien.
- Kaminzugeffekt: Idealerweise werden Lüftungsflächen unten vorne und oben hinten angebracht. Die durch die Beleuchtung erwärmte Luft steigt auf, entweicht oben und zieht frische Luft von unten nach.
- Glasbohrungen: Löcher für Beregnungsanlagen oder Kabel müssen vor dem Zusammenbau gebohrt werden. Nachträgliches Bohren am fertigen Becken ist riskant. Hierfür sind spezielle Diamantbohrer und stetige Wasserkühlung notwendig.
Sonderformen im Vivarienbau
Neben dem klassischen Rechteckbecken ermöglicht der moderne Vivarienbau aus Glas auch komplexe Formen:
- Paludarien: Eine Kombination aus Wasser- und Landteil. Hier muss der untere Teil absolut wasserdicht wie ein Aquarium verklebt sein.
- Delta- oder Eckbecken: Ideal zur Raumnutzung, jedoch aufwendiger im Zuschnitt.
- Hochterrarien: Für kletternde Reptilien. Hier liegt der Fokus auf der Stabilität der hohen Seitenscheiben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein maßgefertigtes Vivarium nicht nur den Wohnraum aufwertet, sondern auch exakt auf die Bedürfnisse der Pfleglinge zugeschnitten werden kann. Mit dem richtigen Glas und einer sauberen Verklebung haben Sie jahrzehntelang Freude an Ihrem Biotop.